(Plakat: V.Schindler)

Großes Drama auf der Bühne des Gymnasiums Dornstetten

– die Theater-AG lud am 20., 21. und 22. Juli zu „Macbeth“ von Shakespeare ein -

Macbeth – der Inbegriff des Wandels und des Wahns. Es gehört Mut dazu, sich eines solchen Stückes anzunehmen, denn es ist nicht nur Shakespeare, der auf die Bühne zu bringen ist, sondern es ist der Mensch in seiner ganzen Größe und Verworfenheit, den es darzustellen gilt. Diesen Mut hat die MuT-AG des Gymnasiums Dornstetten zu Recht bewiesen: Der Musik-und-Theater-AG, in diesem Schuljahr bestehend aus elf SchülerInnen aus den Klassen 10 sowie der Jahrgangsstufe, unterstützt von zwei Lehrern unter der Leitung von Wibke Moog, ist es auf beeindruckende Weise gelungen, diesem großen Stoff Leben und Gefühl einzuhauchen.

Worum geht es? Ein edler Mann, treu und mutig, dient voller Hingabe und Begabung seinem Herrn: Macbeth (Lucia Härtel), der ergebene Krieger, erringt Siege für König Duncan (Leif Brackelmann), der seinerseits ein guter und weiser Herrscher ist. Die Weissagung in Form von drei Hexen (Johanna Steinbach, Penelope Hermann, Kylie Chen) legt den Dorn der Gier und Macht in das Herz von Macbeth: Er werde nicht nur ein noch größerer Fürst, sondern sogar König. Und wir wissen alle: Die Verführung greift schneller, als man es für möglich hält. Ist das Gift erst einmal injiziert, breitet es sich zügig aus. Katalysator im Falle von Macbeth ist seine Frau: Lady Macbeth (Malaika Hagemann) weiß wohl um den Ehrgeiz ihres Mannes, aber auch um sein Gewissen und damit auch um seine Bedenken, die Macht an sich zu reißen. Sie tut alles, um ihn zum skrupellosen Machtergreifer werden zu lassen. Und es gelingt: Dank der Hilfe seiner Frau erringt Macbeth die Macht, aber er muss über Leichen gehen: Er tötet Duncan, dessen Söhne (Johanna Steinbach, Dennis Fedorov) fliehen. Weder Moral noch Freundschaft halten Macbeth nun auf; er verliert seine Skrupel und entfaltet einen brutalen Egoismus – allerdings zu dem Preis von Freud-, Freund- und Schlaflosigkeit; selbst seinen treuen Begleiter Banquo (Josefine Milde) lässt er töten. Lady Macbeth hingegen, die ursprünglich skrupellos Machtbesessene, wird von ihrem Gewissen heimgesucht und beendet ihre Qual durch Suizid. Währenddessen sammelt Malcom, der rechtmäßige Erbe des Throns, unterstützt von Fürst Macduff (Alexander Joos) Truppen zur Rückeroberung Schottlands, was am Ende auch gelingt: Macbeth erliegt der Übermacht. Zurück bleibt ein Königreich, das unter so viel Amoral und Gewalt gelitten hat, dass allein die Wiederherstellung der menschlichen Gesellschaft zu einer großen Aufgabe wird.

Diese komplexe Handlung in erlebbares Bühnengeschehen umzusetzen erfordert nicht nur die Beherrschung von sehr viel schwierigem Text, sondern vor allem das Spiel der Gefühle: Die Charaktere durchlaufen einen tiefgreifenden Wandel, sie mutieren förmlich. Diese intensive Veränderung für den Zuschauer deutlich hervortreten zu lassen, bedarf einer feinen Arbeit mit dem ganzen Körper, die Körperhaltung genau wie Mimik, Gestik und Stimme sind die Mittel der Wahl. Genau hier lag die große Leistung der SchülerInnen, denen es gelungen ist, genau diese Entwicklung erlebbar zu machen. Und das traf nicht nur auf die „großen“ Rollen zu, sondern war tatsächlich Anforderung an alle, auch an die „Untergebenen“; egal ob Bote, Fürsten, (Viktoria Schindler, Lisa Jahreiss), alter Mann (Hansjörg Lachenmann) oder Kammerfrau (Penelope Hermann), sie alle durchlaufen die Veränderung, denn sie verhalten sich zuerst einem guten Fürsten gegenüber, um sich dann einem Tyrannen unterwerfen zu müssen.

Die vielfältig wechselnden Orte des Dramas wurden durch schöne, selbst gestaltete Bühnen-Gemälde hilfreich kenntlich gemacht (Viktoria Schindler, Josefine Milde, Johanna Steinbach, Lucia Härtel). Und um der komplexen Handlung überhaupt gerecht werden zu können, berichtete ein Erzähler (Meryem Tergui) immer wieder notwendige Informationen über dazwischen liegende Handlungen, so dass die Wandlung der Charaktere im Mittelpunkt stand. Sehr eindrücklich war der Machtkampf zwischen dem zutiefst ehrenwerten Fürsten Macduff und dem vollkommen machtzerfressenen Macbeth, hier rangen zwei Charaktere miteinander, sie maßen sich Auge in Auge; die Frage nach dem Sieg von Integrität oder egoistischer Verzerrung wurde förmlich greifbar. –

Es war ein rundum gelungener, inhaltlich anspruchsvoller, sehr anregend unterhaltsamer Theaterabend, den das zahlreich erschienene Publikum durch anhaltenden Applaus zu würdigen wusste. Der Erlös der freiwilligen Gaben der Zuschauer wird der Stiftung EIGEN-SINN in Freudenstadt zugutekommen (minus eines verdienten gemeinsamen Essens der Theater-AG).

(Bericht: Rit)

 

Macbeth (Lucia Härtel) und Diener (Leif Brackelmann)

Foto: S.Reimann